So ungerecht ist das Rentensystem – 77.000 Euro zu viel eingezahlt

Im heutigen Rentensystem werden vor allem Familien extrem benachteiligt. Dies hat eine Studie der Bertelsmann Stiftung belegt. Laut dieser Studie zahlen bereits Kinder heute mehr in die gesetzliche Rentenversicherung ein als Ihnen später selber als Rente wieder ausgezahlt wird.

Missverhältnis zwischen familiären Ausgaben und der Rente

Der Bund hat etwa 200 Milliarden Euro pro Jahr an Ausgaben für familienbezogene Leistungen. Aber gerade bei der Rentenversicherung fällt ein extremes Defizit auf. Laut der Bertelsmann-Stiftung werden vor allem die Eltern und Kinder massiv in den Hintergrund gestellt. Aus der Studie geht ein eindeutiges Ergebnis hervor. Personen, die Kinder haben, zahlen deutlich drauf.

Die Studie beruht auf der Analyse von Martin Werding. Sie bezieht sich auf zukunftsorientierte Prognosen. Anhand dieser Prognosen lässt sich bereits heute feststellen, dass eine zum jetzigen Zeitpunkt 13 jährige Personen etwa 77.000 Euro mehr einzahlen wird, als er als Rentner wieder aus der Rentenkasse erhalten wird. Aufgrund dieses Ergebnisses lässt sich festhalten, dass das jetzige Umlagesystem der Rente Familien besonders belastet.

Mehrfachbelastung für Familien

Aber damit noch nicht genug. Die Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt auch, dass die staatlichen Zuwendungen für Familien im Gegensatz zu den errichteten Steuern und Sozialbeiträgen auch deutlich weniger betragen. So übersteigen die Einzahlungen der Familien die Gegenleistung um rund 50.000 Euro. Rechnet man auf Basis dieser Studie auch noch die Enkelkinder mit ein, so wächst der in einem Missverhältnis bestehende Betrag sogar auf mehr als 100.000 Euro an.

Hier kann man von einem mittlerweile grundlegenden Fehler im System der Rentenkonstruktion sprechen. Denn eines ist gewiss, Familien haben die eben beschriebene und aus der Studie hervorgehende Doppelbelastung. Sie zahlen nicht nur in die Altersvorsorge ein, sie investieren auch sehr viel in Erziehung und Bildung der Kinder, ganz im Gegensatz zu kinderlosen Ehepaaren oder Personen. Eine Verbesserung werden auch die aktuellen Pläne der jetzigen Bundesregierung nicht bringen.

Die prall gefüllten Kassen reichen nicht

Für das jetzige Rentensystem gilt das Umlageverfahren. Die erwirtschafteten Beiträge werden umgehend an die etwa 20 Millionen Rentner weitergegeben. Ein Ansparen der Beiträge um eine gewisse Vorsorge zu treffen ist nicht beabsichtigt. Daher kann man davon ausgehen, dass die momentane Rücklage der Rentenkasse von immerhin 31 Milliarden Euro in nicht allzu ferner Zukunft aufgebraucht sein wird. Grund hierfür ist der demografische Wandel, den die Studie aufgreift.

Im Vergleich zu den Beitragszahlern wächst die Zahl der Rentenempfänger drastisch an. Damit man dennoch im Alter eine vernünftige Versorgung gewährleisten kann, ist eine private Altersvorsorge unumgänglich und nur zu empfehlen. Sie ist quasi ein Muss für jeden heute Berufstätigen und auch für Kinder. Denn je früher man eine Altersvorsorgemaßnahme beginnt, desto geringer ist der zu zahlende Beitrag und das Auszahlungsergebnis zum Renteneintritt.

Um eine gerechte und diesem Wandel entgegenwirkende Lösung zu finden, muss laut der Bartelsmann-Studie das Rentensystem komplett überarbeitet werden. und hier ist Eile geboten, denn in rund 20 Jahren beginnen die geburtenstarken Jahrgänge, zwischen 1968 und 1980, damit, in das Rentensystem zu fallen. Ein weiteres Fazit, das aus der Studie hervorgeht, ist, dass Kinder auch in der heutigen Zeit das Armutsrisiko der Familie erhöhen.
Um dem entgegen zu wirken, bedarf es gründlicher Reformen. Die Studie zeigt hierfür zwei Möglichkeiten auf. Zum einen baut man in das Rentensystem analog zur Einkommenssteuer Kinderfreibeträge ein. Dadurch würden Eltern weniger einzahlen, ihren Anspruch aber behalten. Die hier entstehende Lücke müsste vom Staat aufgefangen werden.

Die Kosten steigen

Die zweite Möglichkeit der Studie stellt ein Drei-Säulen-Modell vor. Dies besteht aus der Basisrente, einer Kinderrente und einer Sparrente. Fakt ist aber auch bei diesem Modell, dass es für jeden teurer wird. Allerdings kann hierdurch die Last der Rente besser und gerechter verteilt werden. Laut gängiger wissenschaftlicher Meinung wird es im Jahre 2050 dazu kommen, dass zehn Berufstätige bzw. Erwerbsfähige im Verhältnis zu sechs Rentnern stehen. Im Vergleich zu heute ist das eine Verdoppelung.

Wenn man nun einmal die Zahlen miteinander vergleicht, würden mit den Reformen die Familien um etwa 2.600 Euro jährlich entlastet und die Kinderlosen um 1.400 Euro pro Jahr mehr belastet. Allerdings wären beide Gruppen im Rentenalter wieder auf dem gleichen Niveau, jedoch etwas geringer als das Rentenniveau von heute.